Katholischer Kreuzbund größter Suchthilfeverband in Deutschland

Hilfe für ein neues Leben

Suchtkrankheiten gehören zu den schlimmsten Geißeln der Menschheit. Sie können jeden treffen. Sie verändern die Persönlichkeit, bringen oft den Verlust des Arbeitsplatzes, zerstören ganze Familien und Lebensgemeinschaften und führen nicht selten ­– nach schweren Leidenswegen zum Tod der Betroffenen. Oft hilflos stehen Alkohol- und Drogenkranke, aber auch Medikamentenabhängige vor dem Chaos, das sie mit ihrer Krankheit angerichtet haben. Angehörige wissen keinen Rat mehr. Sie sind meist am Ende ihrer Kräfte. Scham und Selbstvorwürfe treiben sie in eine Co-Abhängigkeit. Hilfe ist dringend gefragt. Die kann der Kreuzbund – die katholische Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft für Abhängigkeitskranke und ihre Angehörigen – bieten.

„In den Medien liest man viel über die Erfolge der Anonymen Alkoholiker. Kaum einer weiß aber, dass unsere Organisation die größte unter den fünf deutschen Sucht­kranken­selbst­hilfeverbänden ist“, betont Werner Frochte, Stadtverbandsvorsitzender des Kreuzbundes. Mehr als 600 Mitglieder treffen sich wöchentlich allein in Essen in derzeit 31 Gruppen zu ihren Sitzungen. Deutschland weit sind es etwa 28.000 Menschen in rund 1.400 Gruppen. „Hier helfen wir uns gegenseitig. Erfahrene, in regelmäßigen Seminaren geschulte Gruppenleiter leiten die Gruppen. Jeder, der Hilfe sucht, ist herzlich willkommen“, sagt Frochte, der seit mehr als 30 Jahren zufrieden abstinent lebt.

Der Kreuzbund handelt nach dem Prinzip: Hilfe zur Selbsthilfe. Das geschieht durch die offenen Gespräche in den Gruppen. Die Mitglieder – selbst von der Krankheit der Abhängigkeit betroffene Menschen oder mitbetroffene Angehörige – unterstützen sich gegenseitig auf dem Weg zur zufriedenen Abstinenz vom Suchtmittel (Alkohol oder Medikamente).

 

Vertraulichkeit wird groß geschrieben

Alle Gruppenmitglieder sind gleichgestellt. Sie sprechen offen über sich, ihre Erfolge, Probleme und Sorgen und erfahren so, wie andere den Weg zu einem zufriedenen abstinenten Leben gefunden haben. Sie lernen durch diesen Austausch, ihr Leben ohne Suchtmittel zu gestalten und auch an den möglicherweise vorhandenen tiefer liegenden Problemen zu arbeiten. Vertraulichkeit und Anonymität nach außen wird groß geschrieben. „Jeder bestimmt selbst, ob und wann er sich outen möchte“, so Frochte. „Da gibt es bei uns kein Pardon. Es muss sich also keiner Sorgen machen, wenn er zu uns kommt.“

Begegnung im Kreuzbund heißt auch, sich außerhalb der Gruppe zur suchtmittelfreien Freizeitgestaltung zu treffen, zum Beispiel zu jahreszeitlichen und sportlichen Aktivitäten und Festen. Die Mitglieder erleben Spaß und Freude und schließen neue Freundschaften.
   

Erfolge können sich sehen lassen

Erhebungen zeigen, dass mehr als 80 Prozent der Suchtkranken, die regelmäßig eine Selbsthilfegruppe besuchen, dauerhaft abstinent leben. Dieses Ergebnis belegt die äußerst effektive Arbeit der Gruppen und ihrer Mitglieder. Hinzu kommt die Tatsache, dass die Rückfälligen zu mehr als 85 Prozent mit Hilfe der Gruppe wieder stabilisiert werden können.
  

Essener Vikar, der Vater des Kreuzbundes

Die Wurzeln des Kreuzbundes in Deutschland liegen in Essen. Im Jahr 1896 gründete Josef Neumann, dessen Bruder alkoholkrank war, den Kreuzbund als „Abstinenzverband deutscher Katholiken“. Als „Wasserapostel“ nicht besonders beliebt war Neumann Priester des Erzbistums Köln und zu der Zeit Vikar in der Pfarrgemeinde St. Lambertus in Essen-Rellinghausen.
  

Integriert ins Gemeindeleben

Heute sind die Gruppen des Kreuzbundes intensiv in das Leben der Gemeinde eingebunden. „Wir sind ein katholischer Verband wie Kfd, KAB oder Kolping. Das wollen wir stärker ins Bewusstsein bringen“, erläutert Pastor Willi Wietkamp. Der Geistliche Beirat des Kreuzbund-Diözesanverbandes Essen hebt hervor: „Was im Kreuzbund geschieht, das strahlt aus – auch in den gesellschaftlichen und politischen Raum. Es wirkt ansteckend und mitreißend.“ Gleichzeitig macht er deutlich, dass der Bund nicht auf Gemeindegrenzen ausgerichtet sei. Das heißt, jeder kann sich seine zu ihm passende Gruppe suchen. „Wichtig ist, dass er sich wohlfühlt“, so Wietkamp.

 

Neues Leben für die Betroffenen

Die Abhängigkeitskrankheit ist in ihrer akuten Phase mit großer Hoffnungslosigkeit und Enttäuschung verbunden. Sie führt alle Betroffenen und Mitbetroffenen in die Nähe des Todes und was sie erleiden müssen, ist eigentlich schon kein Leben mehr. „Das kann sich kein Mensch vorstellen, der es nicht selbst als Kranker oder Angehöriger erlebt hat“, erklärt Werner Frochte. Wenn dann die Hilfe anschlägt und ein Leben in zufriedener Abstinenz möglich wird, dann sagen oft alle: „Das ist wie Auferstehung und neues Leben!“ Das macht allen Hoffnung, die Hilfe suchen.

 

Informationen unter www.kreuzbund-stadtverband-essen.de

E-Mail: postmaster@kreuzbund-stadtverband-essen.de
Werner Frochte 0201/721483

  

Zitate

Alkohol- und Medikamentenabhängige im Kreuzbund, seit 30 Jahren abstinent

„Der Anfang war schon sehr schwer. Durch den regelmäßigen Besuch der Gruppe habe ich gelernt, mit der Krankheit positiv umzugehen. Suchtmittelfrei zu leben ist ein tolles Gefühl. Meine Gruppe hilft mir auch weiterhin, achtsam zu sein.“

 

Alkoholkranker im Kreuzbund, seit 20 Jahren trocken

„In unserer Gemeinschaft helfen wir uns gegenseitig. Da habe ich gelernt, mein Leben ohne Alkohol zu meistern, und komme normaler Weise bestens damit zurecht.

Das stärkt und wir haben Freude. Das macht mich und meine Familie wieder glücklich“

   

Das bietet der Kreuzbund Ihrer Gemeinde

Der Kreuzbund kümmert sich um Abhängigkeitskranke und deren Angehörige

-          Eine Kreuzbundgruppe ist wegen ihrer speziellen Aufgabe und wegen der besonderen Art, in der ihre Mitglieder mit Problemen umgehen, eine Bereicherung des Gemeindelebens.

-          Kreuzbundmitglieder üben durch ihre Anwesenheit eine Vorbildfunktion für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol aus.

-          Sie helfen mit, Berührungsängste gegenüber „Menschen in besonderen Lebenslagen“ abzubauen.

-          Sie helfen bei der Überwindung von Vorurteilen gegenüber Menschen, die abhängig sind von Alkohol, Medikamenten und Drogen.

-          Sie tragen zur Vielgestaltigkeit und zur Verlebendigung des Gemeindelebens bei.

 

Was heißt Selbsthilfe für Suchtkranke und Angehörige?

Der Begriff der Selbsthilfe steht dem der Fremdhilfe gegenüber. Die Aussage: „Ich helfe mir selbst“ steht im Vordergrund – und nicht „Ich helfe Dir“. Es hat sich herausgestellt, dass das Prinzip der Selbsthilfe gerade bei Menschen mit einer Suchterkrankung die Hilfe ist, die über einen langen Zeitraum den größten Erfolg verzeichnet.

Der größte Anteil an Fremdhilfe wird meist vom/im direkten Umfeld des Suchtkranken geleistet .Aus menschlichen Beweggründen (Nächstenliebe) heraus wird versucht, alles zu tun, um den Erkrankten von seiner Sucht abzubringen. Erfahrungen haben gezeigt, dass mit Fremdhilfe allein dem Erkrankten nicht zu helfen ist. Aus der Ohnmacht der Angehörigen erwachsen häufig Verzweiflung und Wut dem Abhängigem gegenüber, weil dieser nicht wahrhaben möchte, was doch offensichtlich längst Realität ist – nämlich seine Abhängigkeitskrankheit.

Für Suchtkranke und deren Angehörige bieten Selbsthilfegruppen die Möglichkeit, sich im Rahmen Gleichgesinnter auszutauschen und die Erfahrung zu machen, dass es anderen genau so ergeht bzw. ergangen ist. In der Gruppe hören sie von verschiedenen persönlichen Wegen zur Krankheitsbewältigung. Durch Gespräche und damit verbundene Rückmeldungen über eigenes Verhalten entsteht eine Chance zur Neuorientierung und persönlichen

Weiterentwicklung. In der Gruppe kann sich der Suchtkranke mit seiner Krankheit bzw. der Angehörige mit seiner Lebenssituation auseinandersetzen und alternative Verhaltensweisen ausprobieren und einüben.

Dies erfordert allerdings von allen Beteiligten Vertrauen, gegenseitige Toleranz und die Bereitschaft zur Offenheit, Ehrlichkeit und Verschwiegenheit nach außen.

 

Selbsthilfe in Gruppen

Alle Mitglieder von Kreuzbund-Gruppen haben die eigene Selbstbetroffenheit von der Suchtkrankheit als verbindende Lebenserfahrung gemeinsam – entweder als Abhängigkeitskranke oder als Angehörige abhängigkeitskranker Menschen.

Die Selbsthilfearbeit im Kreuzbund ist unlösbar mit der Form und Methode der Gruppenarbeit verknüpft. Wie bereits im vorigen Kapitel geschildert stellt dabei die Einbeziehung der Angehörigen in die Gruppenarbeit eine Besonderheit dar – ausgehend von der Tatsache, dass jede Suchterkrankung immer auch eine Familienerkrankung ist.

Der Betroffene sucht und findet im Gruppengespräch seinen Weg aus der Isolation und knüpft neue soziale Kontakte. Er merkt, dass er mit seinen Schwierigkeiten nicht alleine ist.

Der Hilfesuchende erfährt in der Gruppe: Nur ich allein kann mir helfen – aber ich kann es nicht allein.

Die Gruppe ermöglicht dem Betroffenen, sich selbst zu helfen. Er lernt in der Gruppe, dass er sich auf dem Weg zur Genesung verändern muss. Dabei helfen ihm folgende persönliche Erfahrungen:

-          Die Erkenntnis: Das Problem ist das Suchtmittel.

-          Ein persönlich erlebter Tiefpunkt

-          Das Eingeständnis, allein nicht weiterzukommen, Hilfe zu benötigen

-          Die Bereitschaft, um Hilfe zu bitten und diese auch anzunehmen

-          Der Wille, die derzeitige Situation zu verändern

-          Die Bereitschaft, weitere therapeutische Maßnahmen anzunehmen

Wir im Kreuzbund bezeichnen die Hilfe zur Selbsthilfe auch als Weggefährtenschaft.

Das Gruppengespräch ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Jeder nimmt sich aus dem Gespräch, was er benötigt. D.h. das jeweilige Gruppenmitglied vergleicht die eingebrachte Situation mit seinen eigenen Erlebnissen und entscheidet, was er für sich annehmen kann und was nicht. Wichtig dabei ist, dass sich jeder am Gespräch beteiligt. Sonst setzt sich die Gruppe der Gefahr aus, „sprachlos“ zu werden.

   

Selbsthilfe als Hilfe für andere

Die Gruppen des Kreuzbundes sind offen für jeden, der Hilfe benötigt, sei es als Suchtkranker, Angehöriger oder Suchtgefährdeter.

Die Kreuzbundgruppen bieten:

-          Hilfe zur Lebensbewältigung

-          Übernahme von Verantwortung

-          Geborgenheit

-          Gespräche – sich aussprechen können

-          Eingehen auf Gefühle

Die aktive Teilnahme in einer Selbsthilfegruppe ist der Königsweg einer Rückfallprophylaxe

Wer bereit ist, sich im Rahmen der Gruppenarbeit zu engagieren, der wird auch wieder bereit sein, außerhalb der Gruppe Verantwortung zu tragen. Die Gruppe bietet die beste Trainingsmöglichkeit für das tägliche Leben durch:

-          Einüben offener Kommunikation

-          Erkennen von Fehlhaltungen und –Handlungen

-          Realitätsbezogenheit

-          Kritikfähigkeit

-          Einübung von Eigenständigkeit und Eigenverantwortung

Die vorgenannten Punkte tragen somit dazu bei, die eigene Persönlichkeit weiter zu entwickeln. Anhand von direktem Vorleben gibt der Helfer Selbsthilfe für andere.

Durch partnerschaftliche Kommunikation (reden und zuhören können) wird das Selbstwertgefühl jedes einzelnen Gesprächsteilnehmers gestärkt.

Die Gruppe ist der beste „Resonanzkörper“, der vorstellbar ist .Hier können in geschützter vertrauensvoller Atmosphäre Fehlverhalten und Fehlhandlungen (z.B. Zurückfallen in „alte“ Verhaltensmuster) angesprochen werden. Anhand von persönlichen Beispielen anderer Gruppenmitglieder können alternative Verhaltensweisen aufgezeigt werden.