"Eine schwerwiegende Verfehlung gegenüber der kirchlichen Gemeinschaft"

Wichtige Auszüge aus dem neuen Dekret der Bischofskonferenz zum Kirchenaustritt

aus dem Ruhr Wort, Nr. 39 vom 29.09.2012

Der Vatikan hat gemeinsam mit den deutschen katholischen Bischöfen die Konsequenzen eines Kirchenaustritts neu geregelt. RuhrWort dokumentiert wichtige Auszüge aus dem in der vergangenen Woche veröffentlichten Dekret:

• Die Erklärung des Kirchenaustritts vor der zuständigen zivilen Behörde stellt als öffentlicher Akt eine willentliche und wissentliche Distanzierung von der Kirche dar und ist eine schwere Verfehlung gegenüber der kirchlichen Gemeinschaft. Wer vor der zuständigen zivilen Behörde aus welchen Gründen auch immer seinen Kirchenaustritt erklärt, verstößt damit gegen die Pflicht; die Gemeinschaft mit der Kirche zu wahren, und gegen die Pflicht, seinen finanziellen Beitrag dazu zu leisten, dass die Kirche ihre Aufgaben erfüllen kann.

• Die Erklärung des Kirchenaustritts erllt die Kirche mit Sorge und bewegt sie, der Person, die ihren Austritt erklärt hat, mit pastoraler Hinwendung nachzugehen.

Die Erklärung des Kirchenaustritts zieht folgende Rechtsfolgen nach sich:

1. Die aus der Kirche ausgetretene Person darf die Sakramente der Buße, Eucharistie; Firmung und Krankensalbung - außer in Todesgefahr - nicht empfangen,

 

- kann keine kirchlichen Ämter bekleiden und keine Funktionen in der Kirche wahrnehmen,

- kann nicht Taufpate und nicht Firmpate sein,

- kann nicht Mitglied in pfarrlichen und in diözesanen Räten sein,

- verliert das aktive und passive Wahlrecht in der Kirche, .

- kann nicht Mitglied in öffentlichen kirchlichen Vereinen sein.

2. Damit aus der Kirche ausgetretene Personen eine kirchliche Ehe schließen können, muss die Erlaubnis zur Eheschließungsassistenz beim Ortsordinarius eingeholt werden.

Diese setzt Versprechen über die Bewahrung des Glaubens und die katholische Kindererziehung voraus.

3: Falls die aus der Kirche ausgetretene Person nicht vor dem Tod irgendein Zeichen der Reue gezeigt hat, kann das kirchliche Begräbnis verweigert werden .

4. Falls die Person im kirchlichen Dienst steht, treten die im kirchlichen Dienstrecht vorgesehenen Folgen in Kraft.

5. Falls die Person aufgrund einer kirchlichen Ermächtigung Dienste ausübt, muss diese Ermächtigung widerrufen werden.

6. Die kirchliche Autorität lädt diejenigen, die den Kirchenaustritt erklärt haben, zu einem Gespräch im Blick auf ihre volle Wiedereingliederrung in die kirchliche Gemeinschaft ein. Es zielt auf die Versöhnung mit der Kirche und die Rückkehr zur vollen Ausübung der Rechte und Pflichten. Wenn aus der Reaktion des Gläubigen, der den Kirchenaustritt erklärt hat, auf einen schismatischen, häretischen oder apostatischen Akt zu schließen ist, wird der Ordinarius dafür sorgen, die entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Das Pastorale Schreiben an die aus der Kirche ausgetretene Person unmittelbar nach Kenntnisnahme des Kirchenaustritts und das Gespräch haben keine aufschiebende Wirkung


STICHWORT: KIRCHENSTEUER

aus dem Ruhr Wort, Nr. 39 vom 29.09.2012

Wegen der historisch gewachsenen engen Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirche in Deutschland ist die Frage der Kirchenzugehörigkeit eines Bürgers auch für den Staat von Bedeutung. Die Möglichkeit, den Kirchenaustritt vor einer staatlichen Behörde zu erklären, wurde im Kulturkampf (1871 bis 1878) geschaffen, als Bismarck den Einfluss der katholischen Kirche begrenzen wollte. Durch die Möglichkeit des Kirchenaustritts will der Staat die Religionsfreiheit auch in dem Sinne gewährleisten, dass seine Bürger sich von einer Religion abwenden können. So räumt er ihnen die Möglichkeit ein, sich von seiner bisherigen Religionsgemeinschaft öffentlich zu distanzieren und sich damit auch der Kirchensteuerpflicht zu entledigen.

Nach dem katholischen Kirchenrecht kann die durch die Taufe erworbene Kirchenzugehörigkeit niemals völlig erlöschen. Allerdings distanziert sich ein Katholik durch seinen Austritt öffentlich und formell von der Kirche, dies hat einen weitgehenden Verlust er Mitwirkungsrechte zur Folge: Der Zugang zu Beichte und Eucharistie ist dem Ausgetretenen - außer in akuter Todesgefahr - erwehrt. Er darf auch nicht Taufpate werden oder kirchliche Ämter übernehmen. Das kirchliche Begräbnis kann ihm verweigert werden. Eine automatische Exkommunikation im Sinne des kirchlichen Straf- rechts bewirkt der zivile Austritt jedoch nicht. Nach einem eventuellen Wiedereintritt werden die Mitgliedsrechte wieder in Kraft gesetzt.